Weststadtfest ohne Partei-Stände: „Weswegen hast Du gegen einzelne Parteistände gestimmt?“ Fragen an Torsten Müller (Mathetoddy).

Torsten Müller, stimmberechtigtes Mitglied der Weststadtkonferenz hatte sich gegen Parteistände auf dem Weststadtfest, das sein 20. Jubiläum feiert, ausgesprochen. ASK Geschäftsführer Stephan Martini hat sich via Email die Ansichten zusenden lassen und diese nach Absprache in ein Interview verpackt.

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Stephan: „Hallo Torsten, von CDU, über SPD gab es Kritik zu der Entscheidung der Weststadtkonferenz. Via SVZ und Online News-Plattformen gab es Empörung über diesen demokratisch gefassten Beschluss. Schlussendlich gipfelte das Weststadtbeben in der „Kündigung“ der Vorsitzenden der Konferenz. Was war da los? Die Empörung der Parteien hat für einige Unruhe in der parteipolitischen Szene Schwerin gesorgt, worum ging es eigentlich?

Torsten: „Am 13. März hatte die Stadtteilkonferenz Weststadt beschlossen, das diesjährige Stadtteilfest ohne Parteistände durchzuführen. So wurde der Weg frei für ein Fest der Einwohner, etwa so wie das Lärchenfest jährlich in Friedrichsthal organisiert wird. Mitglieder politischer Parteien lassen dort nicht ihre politische Partei raushängen, sondern sie bringen sich dort als Einwohner ein. So einfach und so selbstverständlich – so haben wir gedacht.“

Stephan: „Was sagst Du zu den Reaktionen, die dann folgten. hattest Du ahnen können was eure Entscheidung für einen Wirbel auslöst?“

Torsten: „Darüber was darauf hin über uns hereinbrach, weiß ich nicht ob ich lachen oder weinen soll. Mit großem medialen Tobabo trat die Vorsitzende der Stadtteilkonferenz Yvonne Vonsien einen Tag später von ihrer Funktion zurück. Die Stadtteilmanagerin der Weststadt Haacke zog mündlich ihr Engagement für das Stadtteilfest zurück. Somit waren gleich zwei (beide?) hauptamtlich Aktive für die Vorbereitung eines Stadtteilfestes ausgefallen.“

Stephan;: „Die CDU hatte ja sehr starke Kritik ausgeübt, wie stehst Du dazu?“

Torsten: „Ohne sich über Hergang und Gründe zu informieren holte Gerd Rudolf von der CDU in der SVZ anscheinend gleich zum großen Rundumschlag gegen die Stadtteilkonferenz aus. Ob wir ein Problem haben oder nicht, das bestimmt nicht er sondern wir, da braucht er uns nicht doof zu kommen.“

Stephan: „Was in der Berichterstattung ja ziemlich kurz kam, war die Frage die zuvor gestellt wurde – und zwar der Umgang mit der AfD. Kannst Du das bitte etwas näher erläutern?“

Torsten: „Natürlich bereitet die Teilnahme der AFD bei einigen unserer Akteure eines möglichen Stadtteilfestes Bauchschmerzen. Für viele ist der Umstand, einer zum Teil offen rassistischen Partei Raum zu geben, unhaltbar. Das ist ein Problem, auch dann wenn es Gerd Rudolf gern wegwischen will. Zudem stellt sein plattes Unverständnis und Empörung Ursache und Wirkung auf dem Kopf. Falsche Politik ließ die AFD entstehen. Von daher hätte ich von Gerd Rudolf mehr Fingerspitzengefühl erwartet.

Stephan: War der Umgangston und die Bewertung in der Regionalpresse für Dich nachvollziehbar?

Torsten: Ohne ein einziges Wort an uns wurde hier unvermittelt mit Kanonen auf Spatzen geschossen. So wurden alle Register gezogen um ein Stadtteilfest ohne Parteistände unmöglich zu machen und so der Stadtteilkonferenz aus parteipolitischem Kalkül ihre Souveränität zu entziehen. Im Nachhinein beschleicht mich das unangenehme Gefühl, dass es Herrn Rudolf nicht um ein Einwohnerfest geht, sondern darum, dass wir ehrenamtlich Aktiven mit unseren Angeboten lediglich nur die Aufgabe haben sollen, den politischen Parteien Kundschaft zuzuführen, da sie selber kaum mehr Leute anlocken können.“

Stephan: „Weswegen glaubst Du hat sich die Mehrheit der Weststadtkonferenz sich gegen Parteistände ausgesprochen?“

Torsten: „Mit unserer Entscheidung haben wir völlig ahnungslos und unbewusst in ein Wespennest gestochen. Anders ist die unreflektierte Reaktion des Herrn Rudolf für mich nicht erklärbar. Ohne es zu wollen hat die Stadtteilkonferenz in der Weststadt die Machtfrage gestellt, darüber wer in der Weststadt der wirkliche der Souverän ist – die Parteien oder die Einwohner. Es lag lag mir wirklich fern in den Machtbereich der Parteien einzugreifen. Ich habe immer gedacht, Partei-Funktionäre seien Bestandteil der Zivilgesellschaft.“

Stephan: „Inzwischen soll es ja Gespräche zwischen Politik und Mitgliedern der Weststadtkonferenz geben. Wer spricht mit wem, und wie geht es jetzt weiter?“

Torsten: „Mit unserem demokratisch gefassten Beschluss stellten wir offenbar langjährige Selbstverständlichkeiten in Frage, die diskutiert werden sollten. Ich gehe davon aus, dass die Gespräche ergebnisorientiert fortführt werden, wenn die Stadtteilmanagerin, Frau Haacke, wieder gesund ist. Das 20 Jubiläum unseres Weststadtfest ist nur gemeinsam mit allen Akteuren der Stadtteilkonferenz erfolgreich durchführbar. „

Danke Torsten für diesen Austausch.

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Anmerkung: Torsten Müller kandidiert zwar auf der Lister der #Aktionsgruppe, doch sein Engagement in der Weststadtkonferenz ist unabhängig von der Kandidatur zu betrachten.

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