Ursula Van Diemen. ASK stellt Antrag zu einer vergessenen, begabten Schweriner Schauspielerin und Konzertsängerin.

Die Aktionsgruppe Stadt und Kulturschutz wird auf der kommenden Stadtvertretersitzung einen Antrag stellen, der zum Ziel hat eine nahezu vergessene Schweriner Schauspielerin und Konzertsängerin in das Bewusstsein der Landeshauptstadt Schwerin zurück zu holen.

Um ihr ein angemessenes Gedenken zu ermöglichen, wird deswegen Stadtvertreter Stephan Martini in Rücksprache mit Angehörigen/Nachkommen von Van Diemen beantragen dass die Stadt in Gedenken an ihr eine Straße benennt, alternativ eine Gedenktafel anbringt, oder einen Nachwuchspreis, nach Ursula van Diemen benannt, ausschreibt. Der Oberbürgermeister soll prüfen welches Gedenken sich umsetzen lässt.

Wer war Ursula van Diemen?

Ursula Meyerhof – van Diemen, wurde als 3. Kind am 22.11.1897 in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern, als Nachzüglerin geboren, nach ihrer Schwester Beatrice 1989 und ihrem Bruder Wilhelm Carl Robert Werner 1891, von Olga van Diemen 37 & Friedrich Johann Alexander Stuerzel 38.

Ihr Vater betrieb dort eine Bierbrauerei Hofmann & Stuerzel im Schloßgarten am Schweriner See.

1918 debutierte Ursula mit 21 als Sängerin mit einem Konzert im Staatstheater am Schweriner Schloß


Nach dem frühen Tod ihrer Eltern 1912/13 zog sie mit 15 nach Berlin und studierte dort Gesang bei Selma Niklas-Kempner, Lola Beeth & Louis Bachner. Sie sang 1920 auf dem Hauskonzert des jüdischen Kaufmanns Justus Wilhelm Meyerhof, wo er sofort um ihre Hand anhielt. Sie 1921 heiratete ihn mit 23 und alsbald hatten sie zwei Töchter, Evamaria 1922 & Irene 1924. 1927 wurde ihre Ehe nach nur 6 Jahren geschieden.


Danach ging ihre Karriere erst richtig los. 1928 nahm Ursula als Sopranistin eine LP auf u.a. mit „Laudate Dominum“, von Mozart, „Ave Maria“ aus „Lorelei“, von Felix Mendelssohn-Bartholdy, begleitet vom Chor des Philharmonischen Orchesters Berlin, dirigiert von Prof. Siegfried Ochs. „This ist beyond sublime. The wonder of Mozart’s „Laudate“ with an angelic voice is almost too beautiful. I am sure that Mozart would love Ursula van Diemen’s voice“ verfasst von einem Englischen Fan.


1929 sang sie in der Hauptrolle „Die schöne Helena“, Operette von Jacques Offenbach unter der Regie von Max Reinhardt am Großen Schauspielhaus in Berlin. 


Ursula spielte als Filmschauspielerin in diversen Filmen „Der Andere“ 1930, „Ich bei Tag und du bei Nacht“ 1932, „Der Polizeibericht meldet – Die Frau im schwarzen Schleier“, 1933, „Ein seltsamer Gast“ 1938.

Hier der Film „Ich bei Tag und du bei Nacht“ auf youtube: https://youtu.be/kF7nKrxwKRY Van Diemen spielt hier die Marion.


Ihre fast gleichaltrige Kollegin, Marlene Dietrich (1901 – 1992), bekannt durch ihre Hauptrolle im Film „Der blaue Engel“ als Lola Lola, emigrierte 1930 als Muse und Filmschauspielerin mit ihrem jüdischen Filmregisseur, Josef von Sternberg (1894 -1969), nach Hollywood und erwarb mit ihm dort eine beispiellose Karriere …

Unter diesem Link kommt ihr zu Soprano Ursula Van Diemen ~ Laudate Dominum (1928) (Musik übrigens von den Comedian Harmonist) https://youtu.be/5MDjeml5HrA


Ursula van Diemen war ca. 1930 – 33 mit dem jüdischen Filmregisseur, Fritz Lang (1890 – 1976) befreundet, der überstürzt 1933 mit ihr nach USA emigrieren wollte, jedoch konnte sie ihre beiden Töchter, die gerade in der Schule saßen, nicht Hals über Kopf verlassen …


Ab 1933 war sie offiziell vom Berufsverbot betroffen, da sie durch ihre Ehe als „jüdisch versippt galt“ und sie ihre LPs zertrat, da sie sich gegen Hitlers Vereinnahmung und Vermarktung verweigerte. 
Ihr geschiedener Mann, Justus Wilhelm Meyerhof, wurde am 9.11.1938 in der Kristallnacht ins KZ Oranienburg (Sachsenhausen) verschleppt. Am 24.12.1938 konnte er sich „freikaufen“, indem er der Enteignung seines Vermögens, Textilunternehmen  „Justus Meyerhof OHG i.L, Samt- & Seidenwaren“ in Berlin Mitte am Alexanderplatz, sowie eine beachtliche Münzsammlung, zustimmen mußte, „JudenSteuer“ & „ReichsfluchtSteuer“ zahlen, um dann das Land zu verlassen. Er emigrierte im Januar 1939 nach London zu Verwandten und durfte als Schutz für seine Töchter keinen Kontakt mehr zu ihnen pflegen.


Um ihre Töchter alleinerziehend vor dem KZ zu retten, tauchte Ursula van Diemen 1936-38 mit ihnen unter, sie wohnten zunächst bei der renommierten Architektin Marlene Poelzig in Berlin, Tannenbergallee 28. 1942 – 46 flohen sie dann auf die Künstlerkolonie Höri am Bodensee, und lebten dort im Kattenhorner Schloß.

Dort trafen sie auch auf andere Freunde, Künstler & Kulturemigranten: Otto Dix, Walter Kaesbach, Hans Kindermann, Ferdinand Macketanz, Rudolf Stuckert, …


1946 nach der Heirat von Evamaria & Paul Schneider-Esleben, die sich auf der Höri kennenlernten, tauchte Ursula van Diemen erst wieder beruflich auf und zog nach Stuttgart als Gesangslehrerin.Ursula starb am 1.7.1988 bei Stuttgart, Baden-Württemberg, im Alter von 91 Jahren.


Sie war eine bildschöne, große rothaarige Diva, prominente Schauspielerin und hochbegabte Konzertsängerin (Sopranistin), kultiviert, rebellisch, stolz, avantgard und unabhängig. Gleichzeitig befasste sie sich mit Astrologie, Yoga & Mediation, war Buddhistin und hatte stets einen Heiler an ihrer Seite. Sie liebte es zu kochen, gärtnern & nähen, sowie ihre Heimat Mecklenburg-Vorpommern.


Ihre viel zu kurze, aber frühe gesangliche Karriere von 1918 – 1933 mit ihrer großartigen Stimme, wurde leider jäh unterbrochen und vorzeitig beendet durch das Naziregime aufgrund „jüdischer Versippung“

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Text mit freundlicher Genehmigung von Claudia Schneider-Esleben
Dipl. Ing. Architektur

schneider-esleben.de   
claudia@schneider-esleben.de
paul.schneider-esleben.de

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