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(Kommentar von Wilfried Hoog)

Nach den eindrucksvollen Demonstrationen der „Friday for Future“ Bewegung in der ganzen Welt (aber auch nach dem erneuten „Klimaversagen“ der bundesdeutschen Regierung) wird nun breit über die weitere Entwicklung der Bewegung diskutiert. Wie kann der Widerstand so direkt werden, dass die momentan Herrschenden endlich zu nachhaltigen Ergebnissen gebracht werden — die Zeit der Appelle scheint ja wohl nun vorbei. Aber ist der Klimawandel überhaupt noch aufzuhalten?

1.

Wenn wir einigen Klimaforscher*innen genauer zu hören, wird die Temperatur bis 2050 in den Metropolen bis zu 7,8 Grad ansteigen. Was dies für die Erde und viele Teile der Menschheit bedeutet, kann kein Horrorszenario aus Hollywood in Bildern fassen. Was sehen wir heute schon? Eis und Gletscherschmelze; Anstieg des Meeresspiegel, Auftauen von Permafrostböden, wachsende Dürrezonen und Wüstenbildung, zunehmende Wetterextreme, Artensterben etc.

In dieser Entwicklung bilden sich sozial-ökonomische und politische Veränderungen. Hungersnöte und Wasserknappheit, Tote und Kranke durch Hitze und Seuchen, Kriege um Ressourcen …und die damit zusammenhängende Zerstörung von Lebensgrundlagen Millionen von Menschen und deren Migration…

Wir erinnern uns und werden von den Rechtspopulisten und Faschisten immer wieder an das Jahr „2015“ … und wir sehen seitdem Grenzzäune, nationalistisches Gebrabbel, Hetze, allgemein werdenden Rassismus, künstlich erzeugte Panik, es ist nicht absehbar, welche menschenverachtenden Reaktionen kommen, wenn sich die o.a. Millionen von „Klimaflüchtlingen“ auf den Weg machen …

2.

Der Klimawandel ist spürbar, ist Realität – und dies kann nicht durch individuelles Verhalten aufgehalten werden. Viele Appelle richten sich an dich und mich – an unser Konsumverhalten – und wird damit zu einem individuellen Problem der Einzelnen herausgezogen – „Du kannst etwas ändern“ –mit solchen Parolen wird uns gesagt, „wir sitzen alle in einem Boot“.. „wir alle haben das zu verantworten“ … also ändert euren Lebensstil, werdet bessere Menschen…

So wird die Verantwortlichkeit der Wirtschaft, der Industrie und der Politik mit der Verantwortlichkeit von uns allen gleichgesetzt.Diesem neo-liberalen Dröhnen sei folgendes entgegengehalten:

Der Klimawandel ist in der Hauptsache das Resultat von fatalen sozialen Verhältnissen und ein klares Symptom der allgegenwärtigen Ausbeutung von Mensch und Natur durch:

– ein Wirtschaftssystem, das auf kurzen Profit ausgerichtet ist und nicht an die Bewahrung der Lebensgrundlagen, gestützt durch

entfremdete Arbeit, fehlende Selbstbestimmung, zunehmende Abhängigkeiten durch grosse nur profitorientierte Konzerne

und dadurch verbunden der Verlust von „sozialem Wissen“ und Autonomie (de-skilling) — das Wachsen unserer Abhängigkeiten und Kontrolle…Vereinzelung von Menschen, die ihren Bezug zu anderen verlieren..

3.

Der Klimawandel hat zerstörerische Folgen für sehr viele Menschen und ihre natürlichen Lebensgrundlagen. Aber die „Menschheit“, auf die sich berufen wird, ist weder das kollektive Opfer und auch nicht das verursachende Subjekt

Die Opfer des Klimawandels sind die ganz zu Anfang angeführten Menschen, die schon lange an den Rand gedrängt wurden, weil ihnen die Mittel und Ressourcen genommen wurden, ihr Leben autonom zu bestreiten. Und andere Menschen sind es, die sie nach allen Regeln der Kunst ausbeuten – und dann sind noch die, die den Klimawandel verursacht haben, durch die rücksichtslose „Verheizung“ der fossilen Energieträger…

also: ich kann doch schon noch zwischen „Opfer“ und „Verursacher“ unterscheiden…ach ja, da sind da ja noch die Leute, die genug Geld haben , ein klimafreundliches Leben zu führen.. sie können sich mit ihrem guten bis sehr guten (Doppel) einkommen eine „grüne Weste“ kaufen….und mit ihren Appellen und für einen Wechsel der Autoritäten …. mit „grünen Kapitalismus mit „grüner Technologie“ das bestehende Wirtschaftssystem reformieren wollen und die Ressourcenknappheit und die sozialen Verhältnisse eigentlich nur ihren Vorstellungen anpassen wollen („Grüner“ halt)…durch autoritäres Durchgreifen und technokratische Lösungen –

4.

Was ist dagegen zu tun? Unter dem Vorwand des Klimaschutzes bzw. der Ressourcenknappheit werden wohl neue Gesetze erlassen mit dem Ziel der verstärkten (sozialen) Kontrolle … die Konflikte um die Ressourcen werden zu militärischer Aufrüstung führen (Szenarien sind wohl schon entwickelt)..und durch die räumliche Trennung von Opfern und Profiteuren des Klimawandels ist es manchmal schwierig, mit diesen Ausgeschlossenen praktische Solidarität zu entwicklen und aufrecht zu erhalten Klassenunterschiede werden auch hier in Europa, in Deutschland stärker heraustreten

aber dies ist gleichzeitig noch unsere Möglichkeit des Handelns hier:

durch den globalen Charakter können wir zumindest heute das Leben von anderen und uns retten — durch direkte Aktionen:

   bei den hier ansässigen Profiteuren, 

   beim Verknüpfen von Kontakten über den Stadtteil und die Stadt hinaus

  durch Blockieren der Warenströme

 (richtigen)Streiks in der Produktion…..(holen wir uns die Arbeiter*innen ins Boot.. weg von dem Image des „weissen Bildungsbürger“) 

und vor allem selbstorganisiert bleiben, keine neuen Hierarchien entstehen lassen und durch bestehende Hierarchien (Institutionen, Parteien usw) „wegschmeicheln“ lassen. –

Weitere aktuelle Möglichkeiten wie: Öffentlichen Nahverkehr stärken, Strassen und Plätze zurückholen usw. sind Aktionen und Ideen, die auf dieser Seite ja schon diskutiert werden und durchaus auch in diesen Zusammenhang gehören

Also, vielleicht ist der Klimawandel nicht aufzuhalten, aber gegen die aktuellen und künftigen Folgen können wir noch einiges tun