Schwerin und Segregation

Schwerin und Segregation – einfach erklärt.

Segregation ist die räumliche, soziale Ungleichheit in einer Gesellschaft. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen eines bestimmten „Typs“ in einem Wohnstandort niederlassen. Die Qualität des Wohnstandortes korrespondiert häufig mit dem finanziellen, sozialen und kulturellen Status der Gruppe.

So gibt es sogenannte Studentenviertel und Armutsviertel aber auch Stadtteile, in denen überwiegend Migranten, ältere Menschen oder Familien leben. Segregation beschreibt also die räumliche Abgrenzung einer Bevölkerungsgruppe nach Merkmalen wie sozialer Schicht, ethnisch-kulturellem Hintergrund oder Lebensstil. Auch kann es dazu kommen, dass sich die Bevölkerung in Armenvierteln aufgrund ihrer Herkunft, Stellung und Ethnie gegenseitig weiter spaltet.

Dies ist Realität in Schwerin.

Wenn sich jedoch die Segregation mit einer deutlichen Ungleichverteilung von Lebenschancen und gesellschaftlichen Privilegien der unterschiedlichen Gruppen verbindet, wird sie zu Ausgrenzung, Ghettoisierung, Kriminalisierung und Diskriminierung.

Genau dies passiert in Schwerin! Die finanziell Benachteiligten werden gezwungen in die weniger attraktiven Stadtteile „Mueßer Holz“ oder „Krebsförden“ zu ziehen. Gutverdienende dagegen werden Bauland oder Häuser in jeder gewünschten lukrativen Lage verschafft. Die Waisengärten oder auch künftig der Sportplatz auf Paulshöhe sind Beispiele hierfür.

Schwenk zur Paulshöhe

Der Sportplatz „Paulshöhe“ zum Beispiel wird von einer gut durchmischten Gruppe von Bewohnern aus sehr verschiedenen Stadtteilen Schwerins genutzt. Sollte dieser Platz nun tatsächlich platt gemacht werden, steigt hier deutlich das Privileg derer, die Bauen und in Villen ziehen können, zum weiteren Nachteil der bereits “Segregierten”.

Segregation misst sich nicht nur am Finanziellen allein. Die Angebote der Verwaltung, der Gastronomie, des Tourismus und die Anbindung und Taktung zu Bus und Bahn, spielen bei der Segregation eine nicht unwesentliche Rolle.

Durch politische Entscheidungen seit der Jahrhundertwende hat sich die Innenstadt von Schwerin  durchsegregiert. Statt „flanieren für alle“, gibt es dort Immobiliencenter, Einkaufcenter, Banken und Versicherungen.

Stadtteile wie Gartenstadt, Neumühle oder auch zukünftig die Waisengärten sind reine Wohngebiete. Dort gibt es kaum Gastronomie, keine Verwaltungsgebäude, keine Veranstaltungsräume, kaum Kulturelles. Es gibt also kaum einen Grund für ”Segregierte” diese aufgewerteten Stadtteile zu besuchen. Es sind in sich selbst segregierte Gebiete, die von Anfang an eine sozial und finanziell, fest definierbare Bevölkerung haben, die Zugang von “Segregierten” von vornherein ausschließen.

Segregation ist nicht nur auf Armut beschränkt

In Schwerin gibt es die Segregation auch noch in umgekehrter Weise. Im Mueßer Holz und in Krebsfördern befinden sich nahezu durchgehend die preiswertesten Mietwohnungen in Schwerin. Dieser Umstand führt zwangsläufig zur Niederlassung von Menschen, die bestimmte Sozialleistungen beziehen.

Um die “Segregierten” in ihrem jeweiligen Umfeld zu belassen, werden keine “Tafel” in einem Villengebiet angeboten und auch keine Luxusgebiete im Ghetto gebaut, was das Areal um die ehemalige Marie Curie Straße zeigt.

Hier kann wieder auf die Paulshöhe aber auch auf Gartenanlagen, wie die Waisengärten und andere Freiflächen, wie die Küchengärten hingewiesen werden. Im Falle eines Erhaltes würde es dort allen Bewohnern Schwerins ermöglichen, außerhalb ihres Wohnviertels agieren zu können.

Segregation trennt  nicht nur in „reich“ und „arm“

Fallen solche Freiflächen weiterhin weg, werden sich die entsprechend segregierten Stadtteile ethnisch, finanziell, charakterlich und moralisch weiter voneinander entfernen. Diese Entwicklung kann zu Unruhen, verstärkter Verelendung, Missbrauch und Gewalt führen, wie die Fälle „Lea Sophie“, „Power for Kids“ oder die ausartenden Proteste gegen Flüchtlinge vor der ehemaligen Siemensschule zeigen.

Diese unfreiwillige Form der Segregation in Schwerin ist nicht Ergebnis einer freiwilligen Wohnstandortwahl, sondern ausschließlich von Zwängen geprägt.

Da Schwerin seit dem Jahr 2000 über 25 % des kommunalen, städtischen Eigentums verkauft hat, bleibt der Stadt kaum noch eine Möglichkeit hier einzugreifen – eine Steuerung auszuüben. Die bestehenden sozialen Ungleichheiten werden durch die räumliche Konzentration von sozial und ökonomisch Benachteiligten noch weiter verstärkt.

Nach Flucht folgt Zwang ins Ghetto

In Schwerin werden also Flüchtlinge und Geringverdiener in bestimmte Stadtteile gedrängt, es bilden sich Parallelstrukturen und ghettoartige Viertel auf der einen Seite – Villen und Luxusgebiete auf der Anderen.

Doch was tun gegen die ausgeartete Segregation in Schwerin?

 

Analyse als Grundlage

Stadtteiltreffs eröffnen? Quoten für günstigen Wohnraum verlangen, wenn Bauland verkauft wird? Es gibt viele Ideen von verschiedenen Stadtpolitikern. Doch das sind lediglich nur kurzschlussartige Reaktionen, die kaum jemandem weiterhelfen. Bevor jetzt in der Stadtvertretung wild drauf los beschlossen wird, bedarf es, unserer Meinung nach, eine kritische, die ganze Landeshauptstadt umfassende Sozialraumanalyse.

Liegt diese vor muss geplant, bedacht und durch eine breite Beteiligung der Stadtgesellschaft Entwürfe entwickelt werden, die den negativen Effekten der Segregation entgegenwirken.

 

Gemeinsam Druck aufbauen

Dazu wollen wir aufrufen. Helft uns die Idee einer (selbst)kritischen Sozialraumanalyse an den Anfang eines umfassenden Prozesses zu stellen – eines Prozesses, der Nachhaltigkeit schafft, Chancengeeichheit bietet und eine  neue Stadtentwicklung anschiebt, die allen „Segregierten“ Schwerin zu ihrer lebenswerten Heimat macht. 

Gern könnt ihr hierfür auch diesen Beitrag kopieren und ihn an Freunde, Bekannte oder auch Politiker unserer Stadt schicken.

Unser Stadtvertreter Karsten Jagau wird auf der ersten Stadtvertreter-Sitzung nach der Sommerpause einen entsprechenden Antrag für die Erstellung einer Sozialraumanalyse stellen.

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