Jetzt ist es offiziell. Schwerin ist Dank verfehlter Stadtentwicklungsplanung eine zerteilte Stadt mit Ghettos.

Noch vor wenigen Wochen wurde unser Stadtvertreter Karsten Jagau in einem youtube-Interview von Schwerin Lokal von dem Geschäftführer der WGS dafür kritisiert, dass er Teile des Dreesch und Krebsförens indirekt als „Ghettos“ bezeichnet hatte.

Seit ein paar Tagen ist es nun offiziell.

In fast keiner anderen Stadt gibt es so deutliche Ghettobildung/ einkommensbezogene Wohnbebauung und Wohnsituation  – Segregation wie in Schwerin. Dies sagt nun offiziell eine Studie der WZB. Hier ein Pressetext des norkuriers zum Thema.

 

Im Klartext heißt dies – in Schwerin gibt es Stadtteile in denen fast nur reiche, beziehungsweise nur Arme leben. Dies birgt laut Studie deutliche Gefahren.

Schuld an dieser Lage gibt die Studie auch dem Städtebau. Gerade in Schwerin wo Wohngebiete für besserverdiener entstehen – Waisengärten, Ziegelinnensee und andere – haben dazu geführt, dass Menschen mit geringem Einkommen oder kleiner Rente in die Randgebiete Mueßer Holz, Krebsförden und Lankow ziehen mussten. Auch die Unterbringung der zugewanderten Flüchtlinge findet hauptsächlich in die Randgebiete statt. demgegenüber werden für diejenigen die finanziell besser gestellt sind exklusive Wohngebiete geschaffen. In den vergangenen 20 Jahren hat die Stadt 25 % des kommunalen Eigentums verkauft. Vieles davon war Bauland das für teure Eigentumsbebauung verkauft wurde.

All dies birgt nach Aussage der Studie Gefahren, die eine Integration, aber auch das soziale Gefüge der Stadt enorm ins Wanken bringt und bringen kann.

 

Handeln Jetzt! Handlungsansätze:

 

Schwerin muss jetzt dringend handeln. Als ersten Schritt muss eine schonungslose Analyse der Stadt, der Auswirkungen der bisherigen Bebauungen und Wohnraumentwicklung stattfinden. Es bedarf also einer kritischen Sozialraumanalyse, die sich nicht auf Spielplätze und Geschäftsdichte beschränken darf.

 

Des weiteren dürfen keine weiteren Bebauungspläne angestrebt werden, bevor es ein umfassendes De-Segragation-Konzept für die Landeshauptstadt gibt.

 

Anders als es OB Badenschier gegenüber dem NDR1 Radiosagt, darf nicht „entweder – oder“ die Lösung sein. entweder  in „Ghettos“ schicke Wohnmöglichkeiten für Besserverdiener zu schaffen (dies würde zu Gentrifizierungsprozessen führen), noch ist es eine Lösung – nur in der Innenstadt günstigen Wohnraum zu schaffen. Die Lösung liegt in einem umfassenden Gesamtkonzept. Welche von der Stadt Verbindlichkeiten bei zukünftigen Stadtentwicklungsplanungen verlangt. Beispielsweise sollte Bauland nur noch dann an Investoren verkauft werden wenn die Käufer sich zu einer Quote für günstigen Wohnraum verpflichten.

 

Die Abrisse der Zehngeschosser Lankow zeigte wie tief die Anerkennung der Segregation in der Stadtpolitik greift. Statt zu sanieren, wurde abgerissen, mit der Begründung, dass man dann anschließend höhere Mieten nehmen müsste. ja und? Ist denn Lankow nur für die Armen?

 

Es darf bis zur Fertigstellung der Sozialraumanalyse und des De-Segregation-Konzeptes keine weiteren neuen Planverfahren geben. 

 Es erfordert folgende Maßnahmen:

  1. kritische Sozialraumanalyse (durch externe Stellen)
  2. umfassendes De-Segregations-Konzept für die Landeshauptstadt
  3. Keine weiteren, neuen B-Pläne bis zur Fertigstellung eines De-Segregationskonzept

 

Diese Forderungen soll die Stadtvertretung der Landeshauptstadt Schwerin am 18 Juni diskutieren, weshalb unser Stadtvertreter Karsten Jagau einen entsprecheneden Antrag auf die Tagesordnung der Stadtvertreterversammlung setzen wird.

 

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Begriff Sozialraumanalyse:

Die Ziele der Sozialraumanalyse belaufen sich unter anderen auf:

  • die stadt- bzw. landkreisspezifische Darstellung kleinräumiger Strukturen, Probleme und Entwicklungsvorhaben,
  • die Klärung geeigneter Sozialraumzuschnitte (also die Frage ab welcher Größenordnung geht der Lebensweltbezug verloren und inwieweit treffen offizielle Gebietsgliederungen faktische Lebenswelten?),
  • die Darstellung von sozialer Ungleichheit und Unterversorgungslagen,
  • die Ermittlung besonderer Bedarfsgruppen und vorrangiger Räume, denen in Zeiten knapper Finanzierung in erster Linie Unterstützung zukommen soll oder sollte,
  • die Ermittlung von Ressourcen und Potentialen nachbarschaftlicher Hilfen, sozialer Netzwerke und bürgerschaftlichen Engagements in den Quartieren.

 

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