Abriss droht: [ASK] stellt Denkmalschutz-Antrag für historische Stehtribüne auf Paulshöhe

Wir machen ernst: Nach der Kölner „VfL 99 Tribüne“ steht in der Mecklenburgischen Landeshauptstadt Schwerin die wohl zweitälteste Stehtribüne und die wohl älteste Tribüne an einem bespielten Sportplatz in Norddeutschland. Am 13. Juni soll die von Abriss bedrohte Anlage unter Denkmalschutz gestellt werden, so will es zumindest die ASK.

Aus dem Denkmalschutzgesetz Mecklenburg Vorpommern:

§ 11

Fund von Denkmalen

(1) Wer Sachen, Sachgesamtheiten oder Teile von Sachen entdeckt, von denen anzunehmen ist, daß an ihrer Erhaltung gemäß § 2 Abs. 1 ein öffentliches Interesse besteht, hat dies unverzüglich anzuzeigen.

stehtribüne Paulshöhe
Die Tribüne ist die älteste im Norden Deutschlands.

Denkmalschutz ist Pflicht

Auf dieser Grundlage stellen wir über unseren Stadtvertreter Ralph Martini am 13. Juni 2016 einen Antrag auf der Stadtvertretersitzung. Die Stehtribüne der Sportanlage Paulshöhe muss unter Denkmalschutz gestellt werden.

In dem Antrag, dessen Einbringung an diesem Tag in Echtzeit auf http://www.schwerin.de/stream verfolgt werden kann, heißt es dazu:

„Die Tribüne ist eine der ältestesten im Nordosten Deutschlands. Einzig die Vfl 99 – Tribüne in Köln ist nachweislich noch älter. In Köln steht die Anlage unter Denkmalschutz. In Schwerin soll die Tribüne abgerissen werden. In Köln verfällt sie. In Schwerin wollen wir dies verhindern.

Die historische Bedeutung der Anlagenteile der Sportanlage Paulshöhe ist nicht zu unterschätzen. Die Anlage hat nahezu unbeschadet drei Systeme und zwei Weltkriege überstanden. Auf dem Gelände spielten Ehrenbürger der Landeshauptstadt und arbeiteten Kriegsgefangene. Die SED-Diktatur scheiterte damals bei Abrissplänen am Widerstand der Schweriner Bevölkerung und der damaligen Stadtvertretung. In direkter Nachwendezeit erlebten viele Schweriner erstmals durch stadthistorische Sportereignisse ein zivilgesellschaftliches Gemeinschaftsempfinden.

von oben paulshöhe
Bauland oder Denkmal und Sportplatz? Die Aktion Stadt und Kulturschutz geht in die Offensive und will Teile der Anlage unter Denkmalschutz stellen lassen.

Aktuell ist es ähnlich. Die politischen Gegebenheiten, finanzielle Notlagen scheinen unausweichliche Referenzen zu sein, die eine Veräußerung der historischen Traditionssportstätte alternativlos erscheinen lassen.
Zudem sollte das Schicksal solch einer Sportstätte nicht an Strategiepapiere oder Nutzer gebunden sein.  Denkmalschutz-technische Aufgabe ist es, den kulturellen sowie historischen Wert der Anlage zu bemessen.

Tradition und historisch geprägter Boden stellen dagegen eine Basis dar, die nicht wirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden dürfen. Die baulichen und historischen Gegebenheiten rechtfertigen einen Denkmalschutz.

 

Da mit dem Antrag keinerlei Kosten verbunden sind, steht nach Ansicht des Antragsstellers Ralph Martini einer Zustimmung nichts im Wege. Der Antragsteller weist darauf hin, dass er mit diesem Antrag das Denkmalschutzgesetz von Mecklenburg Vorpommern umgesetzt sehen will. 

Am 13. Juli ab 17 Uhr kann die Entscheidung hier in Echtzeit verfolgt werden!


Wichtige Information: In Schwerin entscheidet die sogenannte „Untere Denkmalschutzbehörde“ über den Denkmalschutz der Stadt. Und die Person die für dieses Amt zuständig ist, ist die Oberbürgermeisterin, der Oberbürgermeister. Am 4. September wird gewählt. Also Augen auf bei der OB Wahl.

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