Historischer Beschluss nach 316 Jahren: „Es gab keine Hexen in Schwerin!“ Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse in Schwerin.

(stm, 18.04.2016)  „Es ist eigentlich ein Beschluss für die Stadtchronik, im Prinzip hat die Stadtvertretung nach 316 Jahren beschlossen, dass es in Schwerin keine Hexen gab.“ freut sich Stadtvertreter Ralph Martini. Dadurch „ist den unschuldig verfolgten, gefolterten und ermordeten Frauen, Männern und Kindern posthum ihre Würde zurück“ gegeben – bis zu dem Beschluss galten die als Hexen verurteilten quasi als Schuldig. 

Antragssteller Ralph Martini, stellt die Intention des Anliegens folgendermaßen da:

Der Antrag mag im ersten Moment ungewöhnlich erscheinen. Doch wenn man sich die Geschichten und Berichte aus der Vergangenheit Schwerin vor Augen führt, spürt man den wichtigen Hintergrund der Angelegenheit. Damals reichte eine Denunziation eines Nachbarn oder Bekannten aus, um die unschuldigen Menschen nach oft monatelanger Folter und anschließender Prozesse, während deren im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnige Geständnisse erpresst wurden.

 Folter, Mord und Totschlag

Das letzte nachgewiesene Opfer in Schwerin war im Jahre 1700 eine gewisse Anna
Wichmann. Schon vor 1564 gab es erste Prozesse in der Stadt, die Namen der Verfolgten sind größtenteils bekannt. In den Jahren danach mussten in Schwerin über 150 Bürgerinnen und Bürger der Stadt, durch falsche Anschuldigungen ihre Urteile in Empfang nehmen. Und viele der Folterungen fanden im Dachgeschoss des heutigen Rathauses statt. Urteilsverkünder waren entgegen der Annahme, nicht die kirchlichen Würdenträger, sondern die Ratsherren und Bürgermeister. und das historisch formale Nachfolgegremium hat nun die Schuld anerkannt und die ermordeten rehabilitiert.  Und es hat lediglich 300 Jahre gebraucht.

In dem Beschluss heißt es wortwörtlich:

 

1. Alle in der Zeit der Hexen,- und Zaubererverfolgung während des 16. –
18. Jahrhunderts in Schwerin gequälten und ermordeten Menschen werden
moralisch rehabilitiert.
2. Die Stadtvertretung möge beschließen, dass die vorhandene Stele
ausgestellt wird

Es gab keine Hexen in Schwerin

Und ein weiteres hat der Beschluss im Kern ausgesagt, das Märchen der „Hexenverbrennung“ ist für Schwerin beendet. Es gab keine Hexen. Es gab unschuldige Frauen, Kinder und Männer, die denunziert, gefoltert, verbrannt und ermordet wurden.

Gerne verweisen wir an dieser Stelle auf die erweiterte und neue Ausgabe des Buches von Historiker und Autor Peter Schneider.

nach Tafel 7 Hexenverbrennungen
Bild: Bearbeitet, nach der „Tafel 7“ der „Keramischen Säule“ von Anni Jung.

In diesem Bericht wird in den kommenden Tagen sein Sachbuch „Hexenwahn“ verlinkt. Auch ein Video mit einer entsprechenden Buchlesung wird es bald geben.

 

Als Folge des Antrages wird die Tafel Nummer 7 der keramischen Säule der Künstlerin Anni Jung im Stadthaus im Erdgeschoss ausgestellt. Durch den Beschluss entstehen der Stadt keinerlei Kosten.

 

Und was sagt der Papst dazu?

>>Papst Franziskus hat die kirchliche Mitwirkung an Hexenverfolgungen und Ketzerverbrennungen als Unrecht angeprangert. Oft seien in der Geschichte unschuldige Menschen getötet und verurteilt worden, sagte er am Montag in seiner Morgenmesse.

Die Menschen wurden „verurteilt mit dem Wort Gottes gegen das Wort Gottes“, sagte er am Montag in seiner Morgenmesse im Vatikan. Die Beschuldigten seien verbrannt worden, „weil sie sich nach Meinung der Richter nicht dem Wort Gottes anpassten“, so der Papst laut der vatikanischen Tageszeitung „Osservatore Romano“.<< Quelle

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